Ökonomische Bildung (56-02)

Die LDK hat beschlossen:

1. Allgemeines

1.1 Was ist ökonomische Bildung?

Ökonomische Bildung, oder auch bekannt als Wirtschaftsbildung, umfasst die Auseinandersetzung mit der Wirtschaft auf globaler, nationaler und regionaler Ebene. Sie verbindet theoretische und praktische Aspekte der Volks- und Betriebswirtschaft und betrachtet sowohl Arbeitgeber*innen als auch Arbeitnehmer*innen. Dabei werden vergangene, aktuelle und zukünftige Entwicklungen berücksichtigt. Ökonomische Bildung beleuchtet die Wechselwirkungen zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und dem Individuum und ist somit ein wesentlicher Bestandteil der Lebensbildung.

1.2 Warum brauchen wir ökonomische Bildung?

Ökonomische Bildung ist essenziell, um Schüler*innen zu kompetenten und kritischen Bürger*innen in Bezug auf die Wirtschaft zu erziehen. In einer komplexen freien Marktwirtschaft, wie man sie heute vorfindet, muss die Schule ihnen das nötige Wissen und die Methoden vermitteln, um wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen. Nur so können sie fundierte Entscheidungen treffen und souverän am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Wirtschaft darf für Schüler*innen in Sachsen nicht unverständlich oder kompliziert sein.

1.3 Querschnittsaufgabe & Konzept

Wirtschaftsbildung soll fächerübergreifend in den Unterricht etabliert sein. Die Ankerfächer sollen dabei Gemeinschaftskunde/Rechtserziehung, Geschichte/Gemeinschaftskunde, Gemeinschaftskunde/Rechtserziehung/Wirtschaft, GeWi und WTH bilden. Zudem soll nach Schaffung eines WTH-Äquivalenz an Gymnasien dieses als Ankerfach dienen. Zusätzlich sollen etwa in Geschichte Wirtschaftsformen verglichen und sich in Geografie mit der Globalisierung befasst werden. Einen Einblick in Aktienkurse im Fach Mathe ist ebenso durchaus sinnvoll. All das soll dazu beitragen, eine möglichst praxisnahe Bildung sicherzustellen. Fächerübergreifender Unterricht soll zudem eine wichtige Rolle spielen.

2. Vermittlungsstrukturen

2.1 Praxisnähe

Die Praxisnähe in der ökonomischen Bildung ist entscheidend, um theoretisches Wissen in einem realen Kontext zu verankern. Schüler*innen sollen nicht nur abstrakte ökonomische Konzepte verstehen, sondern auch deren Anwendung in der Praxis erleben. Eine praxisnahe Ausbildung fördert das Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge, stärkt die Berufsorientierung und erleichtert den Übergang von der Schule in die Arbeitswelt. Die folgenden Ansätze sollen sicherstellen, dass die ökonomische Bildung in Sachsen eng mit der Praxis verknüpft ist.

2.1.1 Praktika

Praktika bieten Schüler*innen die Möglichkeit, wirtschaftliche Abläufe und Arbeitsprozesse hautnah zu erleben. Sie können so ein realistisches Bild von verschiedenen Berufsfeldern und den damit verbundenen Anforderungen gewinnen. Praktika fördern die Entwicklung wichtiger Schlüsselqualifikationen wie Teamarbeit, Kommunikationsfähigkeiten und Problemlösungskompetenzen. Um die Qualität und den Nutzen von Praktika zu maximieren, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Schulen und Unternehmen erforderlich. Wir fordern, dass Praktika integraler Bestandteil des Lehrplans werden und gezielt in den Unterricht integriert werden, um die Reflexion und den Transfer des Gelernten in die Praxis zu fördern. Praktika sollen weiter ausgebaut und zusätzliche freiwillige Praxistage in Unternehmen gefördert werden.

2.1.2 Berufliche Orientierung

Die Berufsorientierung ist ein wesentlicher Bestandteil der ökonomischen Bildung. Schüler*innen sollen frühzeitig und kontinuierlich über verschiedene Berufsfelder und Bildungswege informiert werden. Eine systematische Berufsorientierung hilft ihnen, fundierte Entscheidungen für ihre berufliche Zukunft zu treffen und vermeidet Fehlinvestitionen in Bildungswege, die nicht zu ihren Interessen und Fähigkeiten passen. Wir fordern eine stärkere Verankerung der Berufsorientierung im Schulcurriculum, unterstützt durch regelmäßige Veranstaltungen wie Berufsinformationstage, Praktika, Workshops mit Fachleuten aus der Wirtschaft und individuelle Beratungsgespräche.

2.1.3 Projekte & Planspiele

Projekte und Planspiele bieten eine dynamische und interaktive Möglichkeit, ökonomisches Wissen zu vertiefen. Durch die Simulation von wirtschaftlichen Szenarien, wie der Gründung eines Unternehmens oder der Teilnahme an einem Börsenspiel, können Schüler*innen wirtschaftliche Zusammenhänge spielerisch erfahren. Diese Methoden fördern das unternehmerische Denken, die Teamarbeit und die Fähigkeit, komplexe Entscheidungen zu treffen. Wir setzen uns dafür ein, dass Projekte und Planspiele regelmäßig in den Unterricht integriert werden und den Schüler*innen die Möglichkeit geben, ihr theoretisches Wissen in einem praxisnahen Umfeld zu erproben.

Darüber hinaus sprechen wir uns für die Gründung von Schüler*innenfirmen an allen sächsischen Schulen aus.

2.1.4 Ganztagsangebote

Ganztagsangebote (GTA) bieten eine zusätzliche Plattform, um ökonomische Bildung praxisnah zu gestalten. Im Rahmen von Arbeitsgemeinschaften, Workshops oder Exkursionen können Schüler*innen ihr Interesse an wirtschaftlichen Themen vertiefen. Diese Angebote ermöglichen es ihnen, eigene Projekte zu entwickeln, Unternehmen zu besuchen oder sich mit Fachleuten auszutauschen. Wir fordern, dass ökonomische Themen verstärkt in die Ganztagsangebote integriert werden, um den Schüler*innen vielfältige Lernmöglichkeiten außerhalb des regulären Unterrichts zu bieten. Dies fördert nicht nur das ökonomische Verständnis, sondern auch die persönliche Entwicklung und das Engagement für wirtschaftliche Fragestellungen.

2.2 Interaktive Lehr- & Lerndatenbank

Lehrer*innen haben meist ein unterschiedliches Verständnis für verschiedene Themenbereiche. Dementsprechend haben Unterrichtsstunden an allen Schulen andere Schwerpunkte und Strukturen. Manche Themen werden intensiv und teilweise bereits praktisch behandelt. Dementgegen stehen andere Lerngebiete, die nur kurz theoretisch besprochen werden. Wir sprechen uns dafür aus, dass die ökonomische Bildung auf möglichst praktischer Ebene angesetzt wird und mehr, aktuell theorielastige, Lerneinheiten durch oben festgehaltene anwendungsorientierte Vermittlungsstrukturen (z.B. Projekte und Planspiele) unterstützt werden. Um Lehrer*innen in einer erweiterten Unterrichtsvorbereitung zu stärken, braucht es eine Lern- und Lehrdatenbank. Diese hält vorbereitete interaktive Unterrichtsmethoden mit ausformulierten Erklärungen und Abwandlungsbeispielen für sie bereit. Demzufolge soll die Datenbank neben der unterstützenden Unterrichtsplanung auch Links zu relevanten Webseiten, Arbeitsblättern sowie möglichen digitalen Lernmodulen bereitstellen. Materialien sollen leicht den entsprechenden Lernplanzielen und -inhalten zugeordnet werden können. Zudem werden die Unterrichtsmittel vom Landesamt für Schule und Bildung entwickelt, geprüft und regelmäßig aktualisiert.

2.3 Beirat ökonomische Bildung

Die derzeitige Wirtschaft ist stetiger Veränderung ausgesetzt. Dieser Wandel muss sich auch in der Wirtschaftsbildung an Schulen abbilden. Um dies zu gewährleisten, fordern wir die Einrichtung eines ständigen Beirats beim Staatsministerium für Kultus, welcher sich ausschließlich mit der Aktualität der vermittelten ökonomischen Bildung sowie mit der Pflege und Aktualisierung der oben genannten Vermittlungskonzepte beschäftigt. Zudem muss sich der Beirat um ein gut abgestimmtes pädagogisches Konzept kümmern, um einen strukturierten fächerübergreifenden Unterricht sicherzustellen. Des Weiteren soll sich dieser Beirat neben den offiziellen Beratungsorganen des Staatsministeriums für Kultus auch aus Vertreter*innen der Verwaltung, Fachvertreter*innen der Hochschulen, Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften sowie weiteren Fachkundigen zusammensetzen.

3. Inhalte

Im ersten Teil geht es um die Inhalte ökonomischer Bildung, das Kernstück jedes Bildungskonzeptes. Die Inhalte gliedern sich in unterschiedliche Themen, die zu insgesamt neun Themenfeldern zusammengefasst wurden. Die Reihung der Felder hat keine Bedeutung. Die Themen sind keinem Fach oder einer Klassenstufe zugeordnet.

Themenfeld 1: Bedürfnisse und Güter, das Geld

In diesem Themenfeld werden die Grundlagen des Wirtschaftens – die Bedürfnisse der Menschen, die Güter im Wirtschaftskreislauf und das Geld – behandelt. Das Themenfeld 1 legt somit die Grundlagen für das gesamte Verständnis von Wirtschaft und Wirtschaftlichen Prozessen.

Bedürfnisse

Die Schüler*innen sollen Bedürfnisse unterscheiden können, um die Ursache des Wirtschaftens zu verstehen. Ebenso sollen sie erfassen,  dass menschliches und damit wirtschaftliches Handeln stets bedürfnisgesteuert ist. Bedürfnisse verschiedenster Art sollen gekannt und systematisiert werden können.

Güter

Die Schüler*innen sollen den Begriff des Gutes erklären können, genau so wie sie in der Lage sein sollten, verschiedene Arten von Gütern zu kennen und sie zu  systematisieren. Ebenso soll die Rolle von Gütern in verschiedenen Formen für den Wirtschaftskreislauf kennengelernt werden.

Geld

Die Schüler*innen sollen die Bedeutung des Geldes für die Wirtschaft der Moderne kennen. Sie sollen ebenso die historische Entwicklung von Geld und Zahlungsmitteln kennen und so den Wandel der Wirtschaft im Laufe der Entwicklung der menschlichen Zivilisation verstehen. Die Schüler*innen sind sich die Funktionen des Geldes als Zahlungsmittel, Wertmaßstab und Wertaufbewahrungsmittel bewusst. Ihnen wird der verantwortungsvolle und bewusste Umgang mit Geld nahegebracht.

Themenfeld 2: Der Markt

In der freien Marktwirtschaft laufen alle Prozesse über den Markt ab, er ist Dreh- und Angelpunkt des Güteraustausches. Das Themenfeld 2 beschäftigt sich mit dem Markt als solches und soll den Schüler*innen ein grundsätzliches Verständnis für die Abläufe am Markt geben.

Wettbewerb

Die Schüler*innen sollen den Begriff des Wettbewerbs verstehen, Vor- und Nachteile eines freien Wettbewerbs kennen und den freien Wettbewerb kritisch hinterfragen können.

Preisbildung

Die Schüler*innen sollen über das Prinzip von Angebot und Nachfrage Bescheid wissen und es auf verschiedene Marktsituationen anwenden können, die Einflüsse auf Angebot oder Nachfrage erkennen und das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage verstehen. Ebenso sollen die Schüler*innen über die Folgen von Wettbewerbsbeschränkung und Wettbewerbsverzerrung informiert werden. Das Kennen der Einflussmöglichkeiten auf den Wettbewerb sowie die Phänomene von Kartell und Monopolbildung müssen ebenso gelehrt werden. Die Schüler*innen sollen die Rolle des Staates im freien Wettbewerb und seine Einflüsse auf den Wettbewerb, genauso wie die Rolle des Staates als Aufseher und Verhinderer von Wettbewerbsverzerrung, kennen. Hinzukommend sollen die Schüler*innen lernen, wann und warum der Staat regulierend eingreift, um den Wettbewerb zum Nutzen aller zu beschränken.

Themenfeld 3: Unternehmen und Produktion

Die Grundlage des Wirtschaftens in einer Marktwirtschaft bilden Unternehmen. Sie sind für die Produktion von Gütern verantwortlich, Produktionsprozesse bilden den Ausgang des Wirtschaftskreislaufs. Themenfeld 3 beschäftigt sich daher mit den Unternehmen als solche, der Gründung eines Unternehmens und Systematisierungsmöglichkeiten.

Prinzip der Wirtschaftlichkeit

Die Schüler*innen sollen das Prinzip der Wirtschaftlichkeit und des wirtschaftlichen Handelns eines Unternehmens kennen sowie den Grund für die Gewinnorientierung eines Unternehmens verstehen. Ebenso sollen sie Maßnahmen zur Gewinnorientierung kennen und sie kritisch hinterfragen. Sie sollen wissen, warum ein Unternehmen, in der Regel, auf das Erzielen von Gewinnen angewiesen ist.

Sektoren- und Branchengliederung

Die Schüler*innen sollen in der Lage sein, die Gliederung der Wirtschaft in Sektoren und Branchen sowie den Wandel derer im Laufe der Zeit zu kennen und zu verstehen.

Rechtliche Aspekte und Unternehmensgründung

Die Schüler*innen sollen die verschiedenen Unternehmensformen kennenlernen, sie voneinander unterscheiden und die inneren Strukturen eines Unternehmens verstehen. Sie sollen die Prozesse und Abläufe, die mit der Gründung eines Unternehmens verbunden sind, nachvollziehen und anhand eines praktischen Beispiels selbst durchspielen.

Themenfeld 4: Das Banken- und Finanzsystem

Banken sind ein fester Bestandteil des Wirtschaftssystems. Sie nehmen besondere Aufgaben war. Der Aktienhandel ist ein bedeutendes Phänomen innerhalb der Finanzkreisläufe. Das Themenfeld 4 bearbeitet diese beiden Aspekte.

Banken und ihre Aufgaben

Die Schüler*innen kennen die Funktion von Banken und Kreditinstituten in der heutigen Wirtschaft, die historische Entwicklung von Banken und dem Kreditwesen, die Arbeitsweisen und das unternehmerische Konzept von Banken, das Prinzip eines Kredites und der Zinswirtschaft sowie die Bedeutung von Krediten und Zinsen für das Wirtschaftssystem. Die Schüler*innen befassen sich mit den Risiken von Krediten und Verschuldung.

Aktien- und Börsenhandel

Die Schüler*innen kennen die strukturellen Grundzüge des Handelns mit Aktien und Anleihen, verschiedene weitere Formen der Geldanlagen und deren Nutzen für dessen Anleger*in und die historische Entwicklung des Börsenhandels. Zusätzlich erlernen die Schüler*innen die Grundlagen des globalen Finanzsystems und dessen nationale und internationale Zusammenhänge. Die Schüler*innen wissen um den Nutzen und die Risiken des Aktien- und Börsenhandels. Ebenso erlernen sie an realitätsnahen Beispielen eine Aktienberechnung durchzuführen und Aktienkurse auszuwerten.

Themenfeld 5: Die Arbeit

Themenfeld 5 beschäftigt sich mit der Arbeit und mit den ihr direkt verbundenen Themen. Arbeit bildet eine Grundlage des Wirtschaftens. In diesem Themenfeld wird Arbeit thematisiert, sowohl in ihrer Rolle als Lohnerwerb, was wiederum die Grundlage jeglichen Konsums ist, als auch zur Produktion von Gütern und Dienstleistungen, welche wiederum als Angebot auf dem Markt für den Güterkreislauf zur Verfügung stehen. Arbeit ist als ein sich wandelnder Prozess zu verstehen, der Veränderungen unterliegt.

Arten von Arbeit, Notwendigkeit

Die Schüler*innen sollen verschiedene Arten von Arbeit unterscheiden können und die Notwendigkeit von ihr als Grundsatzstütze der Wirtschaft verstehen.

Qualifikation und Ausbildung, Weiterbildung

Die Schüler*innen sollen die Bedeutung der Bildung für das Arbeitsleben, das deutsche Bildungs- und Ausbildungssystemen in seinen Strukturen und die Bedeutung von Weiterbildung für den Arbeitnehmer und den Prozess der Arbeit an sich verstehen. Ebenso sollen ihnen alternative Bildungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel Praktika, FSJ, FÖJ vorgestellt werden.

Technischer Fortschritt, Arbeitswelt im Wandel, Rationalisierung

Die Schüler*innen sollen die Auswirkungen des rasanten technischen Fortschrittes der vergangenen 150 Jahre und ihre Bedeutung für die Arbeitswelt kennenlernen. Dabei soll im Speziellen auf die Entwicklung im Zuge der Industrialisierung und auf die Entwicklung im Zuge der digitalen Revolution eingegangen werden. Ebenso sollen die Schüler*innen den Wandel in der Arbeitswelt, im Speziellen in Bezug auf den Wandel in den Berufsbildern, verstehen und in Bezug auf die historische Entwicklung erklären können. Gleichermaßen sollen sie das Konzept der Rationalisierung, Gründe und Folgen dieser kennen.

Themenfeld 6: Die Verbraucher*innen

In der freien Marktwirtschaft stehen den Produzierenden die Konsumierenden gegenüber. Entsprechend sind neben Unternehmen und Produktionsketten Verbraucher*innen und Konsumkreisläufe die wichtigsten Größen. Themenfeld 6 beschäftigt sich daher mit dem Menschen in der Rolle der Verbrauchenden und deren Rechten.

Konsumgesellschaft

Die Schüler*innen sollen den Begriff der Konsumgesellschaft kennen, über die gesellschaftliche Entwicklung hin zu einer Konsumgesellschaft informiert sein und sie im historischen Kontext begreifen. Die Schüler*innen sollen ebenfalls über die Risiken der modernen Konsumgesellschaft informiert sein und sich mit dem Begriff der Konsumkritik befassen. Ebenso sollen sie sich mit dem Phänomen der Werbung und des Marketings auseinandersetzen, ihren Einfluss auf Verbrauch und Konsum kennen sowie Chancen und Risiken der Werbung erkennen. Ziel soll sein, dass Schüler*innen verantwortungsbewusst mit Werbung umgehen können und ihr stets kritisch gegenüberstehen.

Verbraucherschutz und Verbraucherrechte

Die Schüler*innen sollen die Grundlagen für die Rechte der Verbraucher*innen kennen sowie die wichtigsten Behörden und Institutionen. Die Schüler*innen sollen den Begriff der Verbraucherrechte verstehen und diese im historischen Kontext begreifen. Sie sollen dabei den Verbraucherschutz als eine Aufgabe des Individuums, der Gesellschaft und im Speziellen der Politik begreifen.

Vertrags- und Kreditwesen

Die Schüler*innen sollen die Begriffe des Vertrages und des Kredites erklären können. Sie sollen in der Lage sein, verschiedene Verträge zu systematisieren und ihre Arten zu kennen. Insbesondere sollen die Schüler*innen über den Miet-, Kauf-, Kredit- und Arbeitsvertrag informiert sein.

Themenfeld 7: Das Steuer- und Abgabensystem, die soziale Sicherung

Die Grundlagen jeglicher staatlichen Haushaltspolitik bilden die Einnahmen aus Steuern und Abgaben. Zudem ist für die Wirtschaft und das Individuum die Steuerlast beziehungsweise die aus Steuergeldern finanzierte Infrastruktur ein entscheidender Faktor. Das Themenfeld 7 bearbeitet Steuern, Abgaben und Sozialversicherungen. Besonders in diesem Themenfeld ist es wichtig, dass es den Schüler*innen praxisnah vermittelt wird.

Steuern und Abgaben

Die Schüler*innen sollen das Konzept der Steuer verstehen. Sie sollen in der Lage sein, Steuern und Gebühren voneinander zu unterscheiden und zu verstehen, aus welchem Grund der Staat Steuern und sonstige Abgaben erhebt. Die Schüler*innen sollen in der Lage sein, die Verwendung von Steuergeldern nachzuvollziehen und somit die Bedeutung des Steuerwesens für den Staat und die Gesellschaft zu verstehen.

Steuererhebung und Steuerarten

Die Schüler*innen sollen wissen, welche staatliche Institution/Verwaltungsebene welche Steuern/Abgaben erhebt/einzieht. Die Schüler*innen sollen verschiedene Arten von Steuern kennen und ihre Verwendung erläutern können. Sie sollen die Berechnung der Steuerlast einer Privatperson beziehungsweise eines Privathaushaltes kennen und selbst durchführen können. Gleichermaßen sollen sie über verschiedene Steuerklassen sowie die Steuererklärung informiert sein und Beratungsangebote rund um das Thema Steuern beziehungsweise Steuererklärung kennen.

Sozialversicherung

Die Schüler*innen sollen das Konzept der Sozialversicherungen verstehen und im historischen Kontext begreifen. Sie sollen im Speziellen mit der Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung vertraut sein und von deren Vorteilen und Grenzen gehört haben.

Themenfeld 8: Wirtschaftsordnung

Die Wirtschaftswissenschaft kennt verschiedene Wirtschaftsordnungen, die sich in ihren Merkmalen unterscheiden. Das Themenfeld 8 thematisiert diese. Es wird über das Prinzip der freien und sozialen Marktwirtschaft aufgeklärt, ihre Funktionsweise und ihre Bedeutung als das in Deutschland existierende Wirtschaftssystem erläutert. Ebenso soll ein besonderer Teil der Sozialen Marktwirtschaft, die Sozialpartnerschaft, erläutert werden. Diesem Vorweg geht der theoretische Diskurs über verschiedene volkswirtschaftliche Wirtschaftsordnungen.

Kriterien für die Klassifikation von Wirtschaftsordnungen

Die Schüler*innen kennen die Klassifikationskriterien für Wirtschaftsordnungen, vorrangig Planungs- und Lenkungsformen, Eigentumsverfassung, den Markt als Ort der Preisbildung, die Form der betrieblichen Ergebnisrechnung und die Form der Finanzwirtschaft. Sie wenden die Kriterien auf verschiedene Volkswirtschaften an.

Wirtschaftsordnungen

Die Schüler*innen kennen verschiedene Wirtschaftsordnungen, insbesondere die sozialistische Zentrallenkungswirtschaft und die kapitalistische Marktwirtschaft.

Historische Grundzüge und Struktur der sozialen Marktwirtschaft

Die Schüler*innen sollen in der Lage sein, die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft zu verstehen und diese von anderen Wirtschaftssystemen zu unterscheiden. Ebenso sollen sie die historische Entwicklung der sozialen Marktwirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland nach 1948 kennen. Die Schüler*innen sollen sowohl über die theoretischen Grundlagen der sozialen Marktwirtschaft als auch über ihre praktische Umsetzung in der Bundesrepublik Deutschland informiert sein.

Gewerkschaften und innerbetriebliche Mitbestimmung

Die Schüler*innen sollen die heutige Bedeutung der Gewerkschaften für Arbeitnehmer*innen und die Arbeitswelt kennen und sie im historischen Kontext begreifen, über die Strukturen in der innerbetrieblichen Mitbestimmung informiert sein, sich mit dem Konzept des Tarifes beziehungsweise Tariflohnes sowie mit dem Streikrecht auseinandersetzen und ihre Bedeutung für Wirtschaft und Arbeitswelt verstehen und die Bedeutung von Arbeitgeberverbänden kennen.

Themenfeld 9: Die Globalisierung der Wirtschaft

Die Wirtschaft lässt sich nicht nur als regional und national begrenztes Ganzes betrachten, sondern steht immer auch in einem globalen Kontext. Spätestens seit dem Ende des Mittelalters kann von einer Globalisierung der Wirtschaft gesprochen werden. Seit der Industrialisierung ist die Dimension der Wirtschaft als weltweites Ganzes aus der Wirtschaftstheorie nicht mehr wegzudenken. Im 21. Jahrhundert erleben wir eine nie gekannte Vernetzung der Wirtschaft in verschiedensten Teilen der Welt. Das Themenfeld 9 geht auf die Globalisierung und ihre Folgen, Chancen und Risiken ein und umfasst zudem die grundlegenden, globalen Wandlungsprozesse der jüngeren Geschichte.

Entwicklung der Globalisierung

Die Schüler*innen sollen in der Lage sein, den Begriff Globalisierung darzustellen und den Einfluss des Phänomens Globalisierung auf die Wirtschaft zu begreifen. Ebenso sollen sie die historische Entwicklung der Globalisierung kennen, sich mit der wirtschaftlichen Integration Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg auseinandersetzen und deren Bedeutung für die heutige Situation der deutschen Wirtschaft erlernen.

Globale wirtschaftliche Entwicklung

Die Schüler*innen sollen Entwicklungen der Wirtschaft, die nicht regional begrenzt, sondern auf dem gesamten Globus anzutreffen waren, kennen und ihre Ursachen begreifen. Genauso sollen die Schüler*innen sich unter anderem mit der Weltwirtschaftskrise der 1920er und 1930er Jahre sowie den jüngsten Finanzkrisen auseinandersetzen und fähig sein Zusammenhänge und ähnliche Strukturen verschiedener globaler Entwicklungen zu begreifen. Die Schüler*innen setzen sich mit dem Konzept der Megatrends im Allgemeinen und in der Wirtschaft der letzten fünf Jahrzehnte auseinander und kennen im Speziellen die Rolle des Internets für die Globalisierung beziehungsweise für die Wirtschaft.

Folgen der Globalisierung

Die Schüler*innen kennen positive wie negative Folgen der Globalisierung für die gesamte Wirtschaft und erkennen die Notwendigkeit des nachhaltigen Wirtschaftens für die Zukunft der Menschheit. Außerdem setzen sie sich im Besonderen mit den Folgen der Globalisierung für Europa, für Deutschland und für Sachsen auseinander.

Globale Abhängigkeiten und globale DisparitätenDie Schüler*innen erfassen die durch die Globalisierung entstandenen Abhängigkeiten der Wirtschaft und setzen sich im Speziellen mit der Ressourcenabhängigkeit der Wirtschaft auseinander. Ebenso erkennen sie die globalen Disparitäten in der Wirtschaft als Folge der Globalisierung der Wirtschaft und setzen sich im Speziellen mit der Situation von Schwellen- und Entwicklungsländern im Kontext der Situation der westlichen Industrienationen auseinander.

Kategorien: 56. LDK, Leitbeschlüsse